Vier Sheriff Western Januar 2018
vonAlfred Bekker, Neal Chadwick
Dieses Buch enthält die folgenden Western:
Neal Chadwick:Die Teufelinnen von Virginia City
Alfred Bekker: Das heiße Spiel von Dorothy
Neal Chadwick:Der Blechstern ist dein Todesurteil
Neal Chadwick:Jay Parry und der Fluch der Goldader
Die Sonne brannte unerbittlich über den staubigen Weiten des amerikanischen Westens, als Jim Burns sein Pferd aus dem Schatten der riesigen Kakteen lenkte. Der Staub wirbelte auf, als das Tier mit jedem Schritt den heißen Boden traktierte. Jim hatte lange genug die endlosen Prärien durchquert,um an diesen verzehrenden Durst und die gnadenlose Witterung gewöhnt zu sein. Doch nichts – kein noch so unbarmherziger Sandsturm – konnte die Glut des Zorns in seinem Inneren dämpfen.
Oak City lag vor ihm. Der kleine Ort, in dem sich das Böse versteckte, schien auf den ersten Blick wie ein vergessenes Paradies. Holzgebäude in verschiedenen Schattierungen von Braun und Grau drängten sich eng beieinander und warfen lange Schatten in der Nachmittagssonne. Doch der Schleier der Zerstörung hing über der Stadt, genauso wie der Staub, und alle wussten, dass hier niemand sicher war.
Jim hatte keine Zeit, sich mit den Annehmlichkeiten des Lebens zu beschäftigen; er hatte einen Auftrag, der so schwer wie ein Stein auf seiner Seele lag. Die Bilder von Hank, seinem älteren Bruder, verwischten vor seinen Augen. Sein Lächeln, die gemeinsamen Abende am Lagerfeuer und der letzte verzweifelte Schrei, den er gehört hatte, als die Flammen die Farm in sich aufnahmen. Jim hustete den bitteren Geschmack der Rache aus, der auf seinen Lippen lag.
Er band sein Pferd an einem schattigen Pfosten vor dem Saloon, dessen beschilderte Fenster zerkratzt und trüb waren. Es war ein Ort des Lasters, aber in Oak City gab es kaum einen anderen Platz, um Informationen zu bekommen. Der Saloon war das Herz der Stadt und zugleich ihr Untergang.
Das Gelächter und die Klänge von Klaviermusik drangen an seine Ohren, während er durch die Tür trat. Die frische Luft wurde von dem Gestank nach Bier, Tabak und Schweiß verdrängt. Männer saßen an Tischen, vertieft in ihre eigenen Geschäfte. Jim ließ seinen Blick über den Raum gleiten, bis er ihn fand: Tom White.