Philosophisches Varieté ist, wenn man so will, der Versuch, das Denken auf die Bühne zu stellen, ihm einen Zylinder aufzusetzen und zu sagen: "Jetzt mach mal was Lustiges." Und das Denken – überraschenderweise – liefert. Nicht immer elegant, nicht immer freiwillig, aber immer mit einer gewissen Haltung, die man entweder als Würde oder als Trotz bezeichnen kann.
Hundertzwanzig Kapitel. Man könnte sagen: ambitioniert. Man könnte auch sagen: maßlos. Aber wer bei hundertzwanzig Betrachtungen von Maßlosigkeit spricht, hat noch nie einen IKEA-Katalog gesehen. Und im Gegensatz zum schwedischen Möbelimperiumwird hier nichts versprochen, was man zu Hause nicht zusammenbauen kann. Die Montage des Gedankens erfolgt während der Lektüre, Werkzeug ist keines erforderlich, und übrig bleibende Teile sind kein Zeichen mangelnder Qualität, sondern ein Beweis dafür, dass man mitgedacht hat.
Jedes Kapitel ist ein eigener Auftritt: Mal kommt der Jongleur, der mit Begriffen wirft und hofft, dass keiner herunterfällt. Mal der Seiltänzer, der zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit balanciert und dabei so tut, als wäre das ganz leicht. Mal der Zauberer, der ein Wort verschwinden lässt und an seiner Stelle eine Erkenntnis hervorzieht – oder zumindest etwas, das bei schlechter Beleuchtung wie eine Erkenntnis aussieht.
Ist Humor die ehrlichste aller Erkenntnisformen? Denken und Lachen sind keine Gegensätze, sondern Geschwister – und zwar solche, die sich ständig streiten, aber nie ohne einander können.
In diesem Sinne: Vorhang auf. Die Vorstellung beginnt.
120 Kapitel:
Ladies First * Von Bedienungsanleitungen, Zeitlehrern und dem noblen Leiden der Dinge * Die Wahrheit biegen * Fauler Zauber * Vom Ernst des Spiels, der Spielerei des Ernsts und einem Pferd, das keine Verspätungen duldet * Auf Wolken balancieren * Standpunkt, Halbwissen und die Simulation – Ein Feldversuch in erkenntnistheoretischer Selbstverteidigung * Vom Schicksal, der Contenance und der Frage, wer hier eigentlich den Ton angibt * Mut und Feigheit * Vom Vertrauen, der Kreditwürdigkeit der Seele und der Frage, warum Justitia zwar eine Waage hat, aber offenbar keine Uhr * Von Luftschlössern, der Grundsteuer auf Wolkenkuckucksheime und der Frage, ob die Fantasie einen Baugenehmigungsantrag braucht * Das Skurrile * Vom Genie, das sich im Ingenieur versteckt, im Genießen verbirgt und bei der Datenlage den Überblick verliert * Vom Weg, dem Willen, der im Weg steht, und der Frage, warum die falsche Tür manchmal die richtige Adresse hat * Die Liebe und die Magie * Vom Regen, den Tränen und der Frage, warum das Wetter kein Einfühlungsvermögen hat * Eifer, Leidenschaft, Fanatismus * Von Serien, die nicht altern, Darstellern, die es tun, und der Frage, ob man Tarzan wirklich bei der Arbeit helfen möchte * Diät * Des Pudels Kern * Vom Strohhalm, dem Floß und der Frage, ob die Hoffnung schwimmen kann * Vom Fanatismus, der Fleckologie und der Frage, warum der Teufel eine Putzfrau braucht * Vom Zickzackkurs der Menschheit, dressierten Absolventen und der Frage, was wirklich in die Schultüte gehört * Von kindersicheren Verschlüssen, Chaosforschung im Kinderzimmer und der Frage, ob Alexa die bessere Mutter ist * Von Feiern ohne Feierlichkeit, Meiers Aufstieg und der Frage, warum Kindergeburtstage heute teurer sind als Staatsempfänge * Franz Marc und das Dilemma der verlorenen Übersetzung * Das Outsourcing des Geistes * Das Böse, bitte mit Butter * Die Enge der Dinge * Vom schönen Schein, dem genauen Hinschauen und der Frage, ob die Liebe eine Brille braucht ... und 90 weitere Kapitel